Elisabeth

Elisabeth

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Inhalt

Prolog: Im Prolog wird dem italienischen Anarchisten Luigi Lucheni im "Reich der Toten und der Träumer" der Prozeß gemacht. Er, der bei einem Attentat am 10. September 1898 das Leben der Kaiserin durch den Stich mit einer Feile beendet hatte, fühlt sich schuldlos: er habe Elisabeth lediglich einen Gefallen getan, denn sie habe durch ihr Ableben endlich der Gestalt nahe sein können, die sie ihr ganzes Leben lang verehrt und geliebt habe: dem Tod.
Plötzlich beherrscht der "Tod" die Szenerie: ein junges attraktives Wesen, das in seiner Androgynität zwar männlich, aber in gewisser Hinsicht auch recht feminin erscheint. Mit ihm wird auch die längst untergegangene Welt des Habsburger Reiches lebendig.

1. Akt: Im ersten Akt schreibt man das Jahr 1853. Auf Schloss Possenhofen begegnen wir der 15-jährigen Prinzessin Elisabeth, einer jungen Frau, die durch ihre Lebensfreude und Abenteuerlust immer wieder ihren Vater, den Herzog Max in Bayern und ihre Mutter Ludovika verwundert. Diese plant gerade die Verlobung ihrer Tochter Helene mit dem österreichischen Kaiser Franz Joseph und ein erstes Treffen in Bad Ischl soll die beiden jungen Menschen miteinander bekannt machen. Doch Ludovika und Sophie, die gestrenge und traditionsbewusste Mutter des Kaisers, rechnen nicht mit der Macht der Liebe, die unerwartet Franz Joseph und Helenes Schwester Elisabeth heimsucht. Nach der baldigen Verlobung am 24. August 1853 und einer neunmonatigen Brautzeit erklingen am 23. April 1854 bereits die Hochzeitsglocken in der Augustinerkirche zu Wien für Elisabeth und Franz Joseph. Geläutet werden die mächtigen Glocken von dem "Tod", der Elisabeth in einer Art Sehnsucht stets begleitet. Mit diesem festlichen Klang deutet sich für Luigi Lucheni erstmalig der Untergang des Habsburger Reiches an.
In den nächsten Jahren findet sich Elisabeth in einer Welt wieder, die ihr unverständlich und feindlich erscheint. Von ihrer Schwiegermutter ständig getadelt und dem spanischen Hofzeremoniell aus Strenge, Disziplin, Verzicht und Gehorsam unterworfen, wächst ihre Melancholie. Ihr erstes Kind, eine Tochter, wird in diese Welt geboren und der Mutter von Sophie beraubt, die die weitere, gute Erziehung des Kindes übernehmen will. Einsam und verlassen, da ihr Mann, der Kaiser, gegen die Allgewalt seiner Mutter nicht ankann, flüchtet sich Elisabeth erneut in ihre Todessehnsucht. Der Tod nimmt der Kaiserin als imaginären Lohn ihr Kind, das unter unglücklichen Umständen stirbt. Nach einer weiteren Tochter bringt Elisabeth 1858 endlich den vom Land sehnlichst erwarteten Thronfolger Rudolf zur Welt. Als Sophie erneut die Erziehung des Kindes übernehmen möchte, setzt sich Elisabeth erstmals zur Wehr, und die ständige Einsamkeit der Kaiserin (Franz Joseph nimmt lange Zeit am Italienfeldzug teil) erweckt in ihr eine Kraft und Courage, die sie zum Handeln treibt. Sie stellt ihrem Mann ein Ultimatum: Elisabeth verlangt die eigenständige Erziehung ihrer Kinder und stellt sich so offen dem Zweikampf mit ihrer übermächtigen Schwiegermutter Sophie. Franz Joseph begreift mehr und mehr die noterfüllte Situation seiner Frau und willigt letztendlich ein.

2. Akt: Der zweite Akt beginnt mit Elisabeths grösstem politischen Triumph. Am 8. Juni 1867 erhalten sie und Franz Joseph die ungarische Königswürde. Ihnen wird die Stephanskrone überreicht, und vor der Kathedrale in Budapest wartet das ungeduldige ungarische Volk auf das Erscheinen des Kaiserpaars. Diesem Akt ist Elisabeths Bestreben nach einer Versöhnung mit Ungarn vorausgegangen, und Luigi Lucheni sieht in den Ereignissen dieses denkwürdigen Tages das Ende des Habsburgerreiches besiegelt und die neue Zeit des Nationalismus eingeläutet. In der Hofburg zu Wien begegnen wir dem neunjährigen Thronfolger Rudolf, einem übersensiblen Kind, das sich von seiner Mutter auf schmerzvollste Weise allein gelassen fühlt. Elisabeth, die weitgehend ihren eigenen Bedürfnissen wie Schönheitspflege oder ausgedehnten Wanderungen nachkommt, entgeht der Schmerz und die Trauer ihres Kindes, das nur einen einzigen Freund hat, der manchmal nachts in seinem Schlafgemach auftaucht und ihm die Freundschaft schenkt: der Tod...
Sophie, gekränkt durch die Entscheidung ihres Sohnes für Elisabeth und gegen sie, ist vollends aufgebracht durch die von Elisabeth initiierte Versöhnung mit Ungarn. Sie spinnt gemeinsam mit der entmachteten Hofkamarilla eine Intrige und lässt ihrem Sohn eine Dirne zuführen, um ihn zum Ehebruch zu verleiten. Ihr Vorhaben gelingt, und Elisabeth erfährt durch den "Tod" von dem Fehltritt ihres Gatten. Der Tod bittet sie, mit ihm fortzugehen von dieser Welt aus Leid und Trauer, doch Elisabeth sieht durch die Schuld ihres Mannes endlich die Möglichkeit, sich den bedrückenden Pflichten ihres Lebens zu entziehen. Wegen einer "unerklärlichen Krankheit" brauche die Kaiserin dringend Luftveränderung, und so bereist Elisabeth mit ihrem Gefolge in den nächsten Jahren Europa. Daheim verzehrt sich der Kaiser Franz Joseph aus Liebe und Gewissensbissen nach seiner "Sissi". Briefe sind die einzige Verbindung zwischen dem Kaiserpaar, und die Historie bringt viele Ereignisse zu Tage, darunter auch Sophies Tod. Ein Zeitsprung führt in das Jahr 1888. Elisabeth ist schon lange nach Wien zurückgekehrt, doch ihre grösser werdende Melancholie und Weltverachtung treibt sie zu einem Leben, das mehr und mehr in Isolation stattfindet. Rudolf, der in einer ausweglosen Situation dringend seiner Mutter Elisabeth bedarf, sucht diese auf und erbittet Hilfe und Zuflucht bei ihr. Doch die Kaiserin scheint zu sehr mit sich selbst beschäftigt und gibt ihrem Kind keinen Halt. In der Welt spitzen sich derweil die politischen Ereignisse zu: Der Antisemitismus regiert in Deutschland und lässt dunkle Wolken der bösen Vorahnung aufziehen. Rudolf wird in seiner Verzweiflung vom Tod besucht, und ihre Freundschaft aus Kindertagen wird besiegelt durch Rudolfs Selbstmord (1889). Nach dem Tod ihres Sohnes verschwindet Elisabeth mehr und mehr aus der Öffentlichkeit, flüchtet sich in spiritistische Sitzungen, um Kontakt zu ihrem über alles geliebten Vater zu finden, und lebt in einer immer grösser werdenden Todessehnsucht. Ihr Selbstbewusstsein ist durch ihr Schuldgefühl zerschmettert, und sie fleht den Tod an, sie zu sich zu nehmen. Doch dieser verweigert ihren Wunsch, denn ihr Schicksal soll sich erst knapp zehn Jahre später erfüllen. Bis dahin ist Elisabeths Leben eine ständige Flucht. Manchmal reist Kaiser Franz Joseph ihr nach, doch trotz aller Zuneigung müssen beide erkennen, dass sie nicht für einander geschaffen sind. Sie sind wie zwei "Boote in der Nacht", die ihr eigenes Ziel und ihre Fracht haben und in der Dunkelheit aneinander vorbei gleiten. Am 10. September 1898 will Elisabeth am Ufer des Genfer Sees einen Dampfer besteigen, als der Anarchist Luigi Lucheni ihr Leben durch einen Stich mit einer Feile ins Herz beendet. Zu spät bemerkt der italienische Radikale, dass er fälschlicherweise die Kaiserin ermordet hat und nicht sein eigentliches Opfer, den Herzog von Orleans.
Langsam schreiten der Tod und Elisabeth auf einander zu. Ein Kuss besiegelt ihre Liebe, die fortan bis in alle Ewigkeit andauern wird.

Quelle: Musical-Jahrbuch 1998

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Musiknummern

1. Akt 2. Akt
Alle tanzten mit dem Tod Kitsch
Was hat es zu bedeuten Wenn ich tanzen will
Elisabeth Mama, wo bist du?
Wie du Wir oder sie
Schön euch alle zu sehen Nur kein Genieren
Schwarzer Prinz Die französische Krankheit
Jedem gibt er das seine Die letzte Chance
So wie man denkt, so kommt es nie Streit Mutter und Sohn
Nichts ist schwer Nie kommt sie zur Ruhe
Alle Fragen sind gestellt Sieh mich an
Sie passt nicht Nichts, nichts, gar nichts
Der letzte Tanz Streit Vater und Sohn
Liebe mit Gaffern Hass
Eine Kaiserin muss glänzen Die Schatten werden länger
Ich gehör nur mir Die Verschwörung
Die ersten vier Ehejahre Wie du (Reprise)
Debrezin, Ungarn Wenn ich dein Spiegel wär
Die Schatten werden länger (Kurzversion) Totenwalzer (instrumental)
Die fröhliche Apokalypse Totenklage
Kind oder nicht Mein neues Sortiment
Elisabeth, mach auf mein Engel/Ultimatum Boote in der Nacht
Elisabeth, sei nicht verzweifelt Alle Fragen sind gestellt (Reprise)
Milch Das Attentat
Unsere Kaiserin soll sich wiegen Der Schleier fällt
Ich will dir nur sagen
Ich gehör nur mir (Reprise)

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Aufführungsorte/Spielzeiten

Deutschland:
Collosseum Essen, 23.03.2001 - 29.06.2003
Apollo-Theater, Stuttgart, ab 06.03.2005
Österreich:
Theater an der Wien, Wien, 02.09.1992 - 25.05.1998
Theater an der Wien, Wien, ab 01.10.2003
sonstige:
Japan, Ungarn, Schweden, Niederlande

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© Dani, Nov. 2004

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