Miss Saigon

Miss Saigon

Inhalt     Musiknummern     Aufführungsorte/Spielzeiten


Inhalt

1. Akt: Die Handlung beginnt in Saigon. Es ist ein Abend im April 1975 in einer Stadt, die beherrscht wird vom "Vietnamkrieg", der schon bald, am 30. April, durch die Kapitulation Saigons nach 30 Jahren kämpferischer Auseinandersetzung sein Ende finden wird.
In der Garderobe des Nachtclubs "Dreamland", ein beliebter Treff für amerikanische Soldaten, bereiten sich die vietnamesischen Tänzerinnen auf ihren Auftritt vor. Während sie sich mit winzigen Bikinis und schäbigen Dessous "kundengerecht" bekleiden, träumt jede von dem amerikanischen Soldaten, der sie mitnimmt ins gelobte Land - weg von Hunger, Krieg und Prostitution. Die 17-jährige Kim hat hier heute ihren ersten Auftritt und wird von den anderen Frauen belächelt. Der "Chef im Ring", Leiter des Clubs, ermahnt die Dirnen zur Eile, da der allabendliche Auftritt, der seinen Höhepunkt in der Wahl der "Miss Saigon" findet, kurz bevorsteht. Unter den Gästen des Clubs sind auch die Amerikaner Chris und sein farbiger Freund John. Chris, ein junger GI, ist irritiert und angewidert von dem Szenario, das sich ihm dort bietet. Lose für den "Schönheitswettbewerb" werden feilgeboten; der Gewinner erhält eine Nacht mit "Miss Saigon". Sein Blick fällt auf Kim, die den Besuchern mitteilt, dass sie heute ihren ersten Abend hat. Chris zeigt sich interessiert, empfindet Mitleid und spricht darüber mit John. Wenige Sekunden später wird die Prostituierte "Gigi" durch Beifallsbekundung des ausgelassenen männlichen Publikums zur "Miss Saigon" des Abends gewählt. John, der das Interesse seines Freundes reichlich mißdeutet hat, kauft über den "Chef im Ring" eine Nacht mit Kim als Überraschungsgeschenk für Chris. Unter den Argusaugen des Clubleiters tanzt Chris widerwillig mit Kim, um das Mädchen nicht in Schwierigkeiten zu bringen. Sie stellt sich vor und beschwört ihn, mit ihr zu kommen. Kurze Zeit später findet er sich in einem kleinen schäbigen Verschlag, spärlich eingerichtet mit einem Bett und einem Tisch, wieder. Dort verbringen die beiden die Nacht miteinander.
Chris, aufgewühlt von den Erlebnissen dieser Nacht, kommt jedoch nicht zur Ruhe. Er kleidet sich leise an, legt ein wenig Geld für das Mädchen auf den Tisch und entfernt sich langsam. Mit der Frage "Mein Gott, warum?" schreit er sein Entsetzen und seine Wut über die momentanen Umstände seines Lebens ungehört in das nächtliche Saigon. Geplagt vom schlechten Gewissen und berauscht von der Schönheit des Mädchens kehrt er noch einmal zurück, um ihr das Geld persönlich zu überreichen. Kim verweigert die Annahme und beteuert, dass die letzte Nacht die erste gewesen sei, die sie mit einem fremden Mann verbracht habe. Chris glaubt ihr nicht, doch nachdem Kim in einem Ausbruch der Gefühle vom Verlust ihrer Eltern und den Grausamkeiten des Krieges berichtet hat, schenkt er dem Mädchen Glauben. Auch er kann seine Gefühle nicht mehr verdrängen, die beiden gestehen sich ihre Zuneigung, und Chris verspricht, sie mit nach Amerika zu nehmen.
Am Mittag des darauffolgenden Tages ruft Chris seinen Freund John in der amerikanischen Botschaft an und erbittet zwei Tage Urlaub. Doch dort herrscht Chaos, der Fall von Saigon hat sich bereits angekündigt, kriegerische Auseinandersetzungen stehen kurz bevor, und John ist erzürnt darüber, dass sich sein Freund in dieser Zeit in eine "Hure" verlieben kann. Dennoch erhält er einen Urlaubstag, den er nutzt, um mit dem "Chef im Ring" über Kims Preis zu verhandeln. Als Chris ihn mit der Waffe bedroht, gibt er unwillig das Mädchen her, obwohl Chris ihm nur eine Summe Geldes anstelle des gewünschten Visums im Tausch geben kann. Kim und einige andere Barmädchen haben in der Zwischenzeit ein neues Zimmer für das Paar festlich hergerichtet. Vor einem kleinen Schrein knien die Mädchen singend nieder, und auch Chris, der kurze Zeit später eintrifft, stimmt unsicher mit ein. Auf seine Frage nach dem alles übertönenden Lied erklärt Kim, dass dies der traditionelle Gesang bei Vermählungen sei, da ihren Freundinnen nichts anderes eingefallen sei. Die kleine Feier wird jäh durch das Erscheinen eines fremden Vietnamesen unterbrochen, der Kim bedroht und beschimpft. Chris muss erfahren, dass Kim vor vier Jahren von ihren Eltern diesem Mann mit Namen Thuy versprochen worden war. Die junge Frau schreit auf, er solle verschwinden und versucht ihm klar zu machen, dass sie ihn nicht liebt. Die Angelegenheit eskaliert, Chris und Thuy bedrohen sich mit der Waffe, bis letztendlich der Eindringling die Flucht ergreift. Langsam kehrt Ruhe ein, Chris nimmt die völlig aufgelöste Kim in seine Arme, und beide hängen ihren Träumen von einer gemeinsamen Zukunft in Amerika nach.
Ein Zeitsprung führt in das Jahr 1978. Saigon heisst nun nach seiner Kapitulation "Ho Chi Min City". Ein prachtvoller Festzug zelebriert den glorreichen Sieg Nordvietnams und den dritten Jahrestag der Wiedervereinigung. Im Schein der Morgendämmerung träumt Kim von Chris in der Hoffnung, dass er bald kommen und sie nach Amerika holen werde. Auf der anderen Seite der Welt, in Amerika, steht die junge Ellen am Bett ihres von Alpträumen geplagten Ehemannes. Auch sie verleiht ihren Gedanken Worte und hofft inständig, dass der von ihr geliebte Mensch das Trauma des Vietnamkrieges bald überwinden möge. Die Sorgen der beiden Frauen verschmelzen zu einem Duett der Gefühle für ein und denselben Mann: Chris.

Der "Chef im Ring" wird nach seinem dreijährigen Aufenthalt in einem Umerziehungslager wieder nach Ho chi Min City transportiert und muss dort Thuy, mittlerweile Volksoffizier, zu Kim führen. Diese verweigert sich ihm erneut, beteuert die Liebe zu ihrem "Mann" Chris und beweist, dass sie gebunden ist, indem sie das gemeinsame Kind, den zwei Jahre alten Tam, vorstellt. Thuy ist starr vor Wut und Entsetzen, bedroht den kleinen Jungen mit einem Messer, um diesem "unwürdigen Leben" ein Ende zu setzen. Kim, für die ihr Sohn zum einzigen Lebensinhalt geworden ist, zieht eine Waffe und erschiesst Thuy im Affekt. In Panik packt sie ihre Habseligkeiten und den Familienschrein in einen Beutel und flüchtet mit Tam zum ehemaligen Club "Dreamland", in der Hoffnung, den "Chef im Ring" zu finden. Dieser birgt dort gerade die Schätze seiner glorreichen Zeit: Rolex-Uhren und Bargeld, die er hier sicher versteckt hatte. Kim erzählt ihm von den Vorfällen und bittet ihn, mit ihr nach Amerika zu fliehen. Der "Chef im Ring" ist wie von Sinnen, denn das kleine Kind auf dem Arm der Frau ist aufgrund des amerikanischen Vaters sein lang ersehnter Reisepaß und der erste Schritt ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Er eilt mit Kim und dem Kind an einer grossen Menge vietnamesischer Auswanderer vorbei und macht sich mit den "Boat-People" auf den Weg in eine vermeintlich bessere Zukunft.

2. Akt: Wir befinden uns in Atlanta, USA, auf einem von John initiierten Kongreß zum Thema "Bui-Doi". Die bewegende Diashow und die erschütternden Informationen machen auch den anwesenden Chris und seine Frau Ellen betroffen. Nach dem offiziellen Teil nimmt John, von Ellen unbemerkt, seinen ehemaligen Kameraden zur Seite und berichtet ihm, er habe endlich die Bestätigung erhalten, dass Kim noch lebt. Chris, der seit Jahren erfolglos versucht hatte, Informationen über den Verbleib der Frau zu bekommen, ist überglücklich, muss jedoch erfahren, dass er Vater eines Kindes ist. Für Chris bricht eine Welt zusammen: Er, der sich ein neues Leben mit seiner Ehefrau aufgebaut hatte, wird nun von den Schatten der Vergangenheit eingeholt. Von seinem Freund erfährt er weiter, dass Kim in Bangkok in einem Club arbeite. John empfiehlt ihm, Ellen endlich alles zu erzählen und gemeinsam dorthin zu reisen, um sich den Dingen zu stellen.
Wenige Tage später trifft John mit Chris und Ellen in Bangkok ein. Allein sucht er in Patpong, dem Vergnügungsviertel der Stadt, nach Kim, um sie auf das bevorstehende Treffen behutsam vorzubereiten. Dort hat auch der "Chef im Ring" erneut Fuss gefasst - als Türsteher des Nachtclubs "Le Moulin Rouge", in dem Kim als Tänzerin arbeitet. Das Gespräch zwischen John und Kim wird von Missverständnissen überschattet. Kims naiver Glaube, dass Chris hier sei, um sie zu holen, lässt John ihr die Wahrheit verschweigen. Stattdessen eilt er zum Hotel um Chris zu bitten, ihr alles persönlich zu erzählen. Der "Chef im Ring" - zutiefst verunsichert durch das belauschte Gespräch und mißtrauisch gegenüber John - sieht sich zum Handeln veranlasst und versucht, an die Adresse des Hotels zu kommen, damit Kim mit Chris reden kann. Die junge Mutter bleibt allein zurück, überwältigt von der Hoffnung, ihrem Geliebten bald persönlich gegenüberstehen zu können. Plötzlich werden längst verdrängte Erinnerungen an den Tag, der ihr Schicksal besiegelte, wach.
Ein Zeitsprung führt uns zurück ins Saigon des Jahres 1975. Kim und Chris besprechen alles für die gemeinsame Zukunft in Amerika. Doch später auf der Dienststelle erfährt Chris voller Schrecken, dass eine sofortige Evakuierung angeordnet worden ist. Die politische Situation spitzt sich von Minute zu Minute zu, Menschen drängen sich in Massen an die Zäune des Hubschrauberlandeplatzes auf dem Dach der amerikanischen Botschaft und betteln darum, ebenfalls das Land verlassen zu dürfen. Unter ihnen ist auch Kim, die den Wachposten anfleht, sie zu ihrem Mann zu lassen. Chris versucht verzweifelt, sie per Telefon zu erreichen, ohne zu wissen, dass Kim bereits zum Greifen nah ist. Ein Hubschrauber landet, Chris wird befohlen, an Bord zu gehen, und sein Schrei nach Kim verhallt im Propellergeräusch des startenden Hubschraubers.
Kim kauert, erschöpft von diesen bösen Erinnerungen, auf dem Boden, als der "Chef im Ring" mit der Hoteladresse auftaucht. Sie eilt zum Hotel und trifft dort im Zimmer auf Ellen, von der sie die bittere Wahrheit erfährt. Kim bedrängt Ellen, ihr Kind aufzunehmen, um zumindest ihm eine sichere Zukunft zu schenken, doch Chris' Frau macht deutlich, dass sie dazu nicht gewillt sei. Kim verlangt, dass Chris noch am selben Abend zu ihr käme, verlässt weinend das Gebäude und lässt eine Ellen zurück, die plötzlich den ganzen Umfang des Dramas realisiert. John und Chris, die zur selben Zeit nach Kim gesucht hatten, kommen entmutigt ins Hotel zurück und erfahren von Ellen, was vorgefallen ist. Sie fordert Chris auf, die Angelegenheit schnellstens zu klären und lässt ihrer Verzweiflung darüber freien Lauf, dass sie erst durch diese Situation mitfühlen durfte, worunter Chris in den Jahren ihrer Ehe immer und immer wieder gelitten hätte. Nun scheint Chris am Ende seiner Kraft; er bricht zusammen und lässt all seinen Gefühlen freien Lauf, weint, zeigt erstmalig Schwäche und beschwört Ellen, dass er nur sie liebe. Seine Frau schenkt ihm Trost, und man macht sich gemeinsam auf zum verabredeten Termin mit Kim.
Zur selben Zeit träumt der "Chef im Ring" bereits den "amerikanischen Traum". Von Kim belogen, wägt er sich im Aufbruch zu neuen Ufern, da Chris Kim und ihn schon bald mit nach Amerika nehmen werde.
Der kleine Tam steht derweil im Zimmer mit seiner Mutter Kim, die ihn sorgfältig frisiert und ihm seine beste Kleidung angezogen hat. Kim schenkt ihm einen Kuss, verweilt andächtig am Familienschrein, wo sie Kerzen anzündet, und versinkt in einem kurzen Gebet. Plötzlich werden draussen Schritte laut. Chris, Ellen und John nähern sich der Behausung. Kim gibt ihrem Kind ein Spielzeug, dann verschwindet sie hinter einem Vorhang. Die Besucher betreten das Zimmer, als plötzlich ein Schuss die Stille des Abends zerreisst. Kims Körper stürzt durch den Vorhang in den Raum zu Boden. Betroffen nimmt Chris die fast leblose Kim in seine Arme, leise weinend sprechen beide noch ein letztes Mal miteinander, bis das Licht des Lebens der Dunkelheit des Todes weicht. Chris, von Tränen geschüttelt, schreit ihren Namen hinaus in eine Welt, die bis heute den Wahnsinn des Krieges immer noch nicht begriffen hat.

Quelle: Musical-Jahrbuch 1998

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Musiknummern

1. Akt 2. Akt
Opening Bui-Doi
Saigon, du fieberst im Licht Die Enthüllung
Mein Märchenfilm vom Glück Ist's das wert?
Tanz von Kim und Chris Ist die Reise bald vorbei
Mein Gott, warum? Saigon fällt
Dies Geld ist deins Zimmer 317
Sonne und Mond Ich kam und sah sie
Telefon-Song Die Konfrontation
Der Deal Der American Dream
Die Zeremonie Finale
Du hier
Die letzte Nacht der Welt
Die Dämmerung des Drachen
Ich glaub' an dich
Dies ist die Stunde
Tja, wer stirbt nicht gern im Bett
Ein Paß in meiner Hand
Ich gäb' mein Leben her für dich

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Aufführungsorte/Spielzeiten

Deutschland:
Musical Hall, Stuttgart, 02.12.1994 - 19.12.1999
West End:
Theatre Royal Drury Lane, London, 20.09.1989 - 30.10.1999
Broadway:
Broadway Theatre, New York, 11.04.1991 - ?

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© Dani, Juni 2004

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